Sabine Rudolph Malerei und Zeichnungen
 Sabine RudolphMalerei und Zeichnungen

 

Dr. Michael Becker zu den Werken von Sabine Rudolph

 

Aus: Rede zur Ausstellung "Pixel und Pigmente" 2019 in der Wiesbadener Freien Kunstschule

 

"Das eigentliche Faszinosum der hier ausgestellten Arbeiten besteht offensichtlich darin, dass mit den geringsten farbmateriellen Mitteln eine Illusion von differenzierter Plastizität geschaffen wird. Denn es wird lediglich mit weißer Ölfarbe gemalt. Allein durch die technische Nutzung und Aktivierung des Helldunkelkontrastes werden aus der schwarzen Grundfläche sowohl durch hauchzarte Abstufungen als auch durch extreme Schlagkontraste körperhafte Anmutungen herausgearbeitet, die hier im speziellen Fall in fotografischen Realismen kulminieren. Dieser spezielle Umstand lässt den Betrachter in der Tat zwischen der Identifizierung von Fotografie und Malerei changieren, was zu den üblichen Irritationen führt, die wir klassischerweise aus der Kunst des Fotorealismus u. ä. kennen.

 

Schnell keimt in einem die Frage auf, warum Malerei, wenn sie wie Fotografie aussieht? Warum verspürt ein Künstler den Drang, die Fotografie, wenngleich nachträglich digital bearbeitet und reduziert, nicht als solche zu belassen, sondern sie in die Malerei herüberzuholen? Vielleicht geht es darum, den physikalischen Komplexitäten, die uns die reale, fotografierbare Welt offeriert, ein Schnippchen zu schlagen, sie in eine einfache Malerei zu verwandeln, um ihr ihren Schrecken der Vielfalt zu nehmen. Vielleicht geht es darum, mit reduzierten Mitteln etwas zu illusionieren, das in Wirklichkeit ganz anderen, heterogenen Gesetzen untersteht, die wir niemals eigenmächtig unter Kontrolle bringen könnten.

 

Alleine schon eine Schwarzweißfotografie changiert zwischen Wirklichkeitswiedergabe und Abstraktion. Eines drauf setzt eine Malerei, die mit ihren genuin abstrahierenden Mitteln sich noch stärker von der visuellen Wirklichkeit entfernt, indem sie der Abstraktion der Schwarzweißfotografie eine weitere Abstraktionsstufe hinzugesellt, um aber im gleichen Zuge sich den optischen Regeln von Licht und Schatten zu verpflichten."

 

 

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